, Dorn Brigitte

Bericht zur Führung im zentralen Zwischenlager Würenlingen (Zwilag) am 29.11.2025

Ein Blick hinter die Kulissen der Zwischenlagerung radioaktiver Abfälle

Das Zwilag ist die zentrale Einrichtung der Schweiz zur Lagerung schwach-, mittel- und hochradioaktiver Abfälle der Kernkraftwerke. Jene aus Medizin, Industrie und Forschung (MIF-Abfälle) werden im nahen eidgenössischen Bundeszwischenlager zwischengelagert. Alle diese Abfälle werden in speziell gesicherten Behältern und Hallen aufbewahrt, um sie zuverlässig von der Umwelt zu isolieren.

Während eines informativen Rundgangs im Zwilag erhielten wir einen umfassenden Einblick in die aufwändigen Prozesse, mit denen diese Abfälle behandelt und überwacht werden. Die Führung bot Gelegenheit, zahlreiche Fragen zu stellen. Unser Dank gilt den drei Fachpersonen, die uns die Anlage kompetent und anschaulich erklärt haben.

Die hochradioaktiven Abfälle, abgebrannte Brennelemente aus den Schweizer Kernkraftwerken, werden in einer grossen Halle trocken gelagert. Dort kühlen die noch heissen Brennstäbe über einen Zeitraum von rund 40 Jahren ab. Sie sind in speziellen Behältern verpackt, die selbst extremen Ereignissen wie Erdbeben, Hochwasser, Bränden oder einem Flugzeugabsturz standhalten sollen. Die Überwachung erfolgt kontinuierlich, auch durch die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) in Wien. Jede Bewegung der Behälter ohne vorherige Meldung würde sofort einen Alarm in Wien auslösen.

Wo immer möglich, wird das Volumen der radioaktiven Abfälle reduziert. Bei Brennstäben ist dies derzeit technisch nicht machbar, wohl aber bei schwachaktiven Abfällen wie Betriebsabfällen aus Kernkraftwerken sowie Materialien aus Medizin, Industrie und Forschung (z. B. Schutzkleidung). In der Schweiz kommt hierfür ein weltweit einzigartiges Verfahren zum Einsatz: In der sogenannten Plasmaanlage werden diese Abfälle verbrannt und anschliessend in flüssigem Glas eingeschlossen. Die Radioaktivität bleibt dabei erhalten, doch das Abfallvolumen verringert sich erheblich; aus 25 angelieferten Fässern entstehen lediglich fünf Endlagerfässer. Während der Führung konnten wir im Kommandoraum live beobachten, wie solche Fässer befüllt werden.

Ausgediente radioaktive Komponenten aus Kernkraftwerken, wie Metallteile, werden in speziellen Anlagen zerlegt und dekontaminiert (konditioniert), um das Abfallvolumen möglichst stark zu reduzieren. Das gereinigte Material wird anschliessend „freigemessen“, d. h. überprüft, ob ihre Radioaktivität unter einem definierten Schwellenwert liegt, und danach dem normalen Recyclingprozess zugeführt.

Eine Teilnehmerin fasste ihre Eindrücke dieser Führung treffend zusammen:
„Es war sehr eindrücklich und fast surreal zu erkennen, womit wir leben – Dinge, die wir normalerweise nicht sehen, um die wir uns nicht kümmern und von denen wir keine Ahnung haben. Was ich gesehen habe, bestärkt mich darin, so wenig wie möglich davon zu gebrauchen.“

Weiterführende Informationen zum Zwilag finden sich hier: https://www.zwilag.ch/de

Bericht: Brigitte Dorn, Vorstandsmitglied Verein LoTi