Medienmitteilung Namensgebung geologisches Tiefenlager
Für Fragen ist Karin Joss, Co-Präsidentin LoTi, unter 079 468 41 16 erreichbar.
Ein neuer Name verwirrt und verharmlost zusätzlich
Morgen Donnerstagmorgen wird der oder die Sieger:in des Namenswettbewerbs für das geplante Atommüll-Tiefenlager der Schweiz bekannt gegeben werden. Der Wettbewerb war vom Namensforum Tiefenlager Schweiz unter der Federführung der Nagra – die nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle –Ende August 2025 ausgerufen worden.
Der Verein LoTi ruft in Erinnerung: In gut 800 Metern Tiefe sollen ca. 83‘000 m3 radioaktiven Atommülls eingelagert werden für eine Zeitdauer von ca. einer Million Jahren. Und zwar in Stadel im Zürcher Unterland. So die Pläne der Nagra. Weltweit ist noch kein Atommüll-Endlager in Betrieb. Seit 2011 befasst sich auf lokaler Ebene die Regionalkonferenz Nördlich Lägern mit diesem brisanten Thema.
3395 Namensvorschläge sind während der einmonatigen Wettbewerbsfrist aus der ganzen Schweiz eingegangen – eine stattliche Anzahl. Vorgabe gemäss Website war, dass die eingereichten Namen „eingängig, stimmig, mehrsprachig und konstruktiv“ seien.
Eine neunköpfige Jury hat nun fünf Favoriten erkoren, über bis zum 24. November abgestimmt werden konnte. Zur Auswahl standen diese Bezeichnungen: „ATLASuisse“, „Soluterra“,
„Terradura“, „Stadelnova“und „Peradina“. Als Gewinn winkt eine wenig klimaneutrale und mit unser aller Steuergeldern finanzierter Flugreise über das fluglärmgeplagte Zürcher Unterland nach Finnland, wo das erste Tiefenlager weltweit derzeit gebaut wird.
Wir wehren uns dagegen, dass die geplante Deponie für radioaktiven Abfall mit seltsamen Wortschöpfungen benannt und entsprechend verharmlost werden soll. Denn nichts anderes wird es sein: Eine Deponie mit giftigen radioaktiven Abfällen. Keiner der 5 vorgeschlagenen Namen entspricht dem Kriterium der Allgemeinverständlichkeit – und „Peradina“ („für immer“) versteht sogar lediglich die rätoromanische Minderheit. Wir können nur den Kopf schütteln.
Der Ort, wo diese Deponie gebaut werden soll, hat schon lange einen eingängigen, identitätsstiftenden, verständlichen und von der Bedeutung her tiefsinnigen Namen: Haberstal: Gemäss Schweizer Idiotikon heisst dies eine «Stelle, Platz» (=Stal) an der Haber (=Hafer) angebaut wurde. Einen neuen Namen braucht es daher nicht.
Wir plädieren für einen Namen für das Atommüll-Endlager, der keine Interpretationshilfe benötigt und den alle verstehen, auch in ferner Zukunft. Deponie für radioaktive Abfälle - eine Deponie die uns, unsere Umwelt und diejenige unserer vielen Nachfahren vor radioaktiver Verseuchung schützen muss und die eine Million Jahre halten soll.
Angesichts des gefährlichsten Abfalls unserer Zeit muss Sicherheit im Zentrum stehen – alles andere ist nur Ablenkung von dieser höchsten Priorität: der Langzeitsicherheit. Denn immerhin geht es um nicht weniger als um die Zukunft unseres Lebensraumes - und um denjenigen unserer Nachfahren.
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